Mit Sento Wanderreisen ins Cadore


Im August sind Renate und ich zusammen mit Sonja Heidtmann aus München ins Cadore gefahren. Sonja ist die Reiseveranstalterin von Sento Wanderreisen in München und hat sich vor zwei Jahren dazu entschlossen, das Cadore in ihr Reiseprogramm aufzunehmen. Dieser Entschluss viel ihr nicht leicht, denn wie sie sagt, seien Reisen dorthin nicht leicht zu verkaufen, da die Region in Deutschland gänzlich unbekannt sei. Trotzdem hatte sie den Mut gefasst eine Reise auszuarbeiten und ist jetzt nach den ersten positiven Rückmeldungen ihrer Kunden dazu entschlossen neue Wanderungen im Cadore in ihr Programm aufzunehmen.
Sonja Heidtmann im Cadore auf der Suche nach neuen Wanderungen

In der Tappa treffen wir Mairilisa aus Calalzo. Sie ist eine Natur- und Wanderführerin, die es sich vorstellen kann, künftig Sonjas Reisende im Cadore zu begleiten.
Marilisa kennt sich unglaublich gut im Cadore aus und spricht ausgezeichnet Deutsch. Noch zu DDR-Zeiten hat sie in Berlin und Greifswald Germanistik studiert. Es ist schon beiendruckend, wie sie aus den Bergpanoramen ohne zu Überlegen die einzelnen Namen der Berge benennen kann - was selbst für die Einheimischen nicht immer ganz einfach zu sein scheint.
Marilisa kennt sich unglaublich gut in den Bergen aus
Marilisa weiß alles über die lokale Flora und Fauna, ein Wissensschatz, der schon seit langem in ihrer Familie aus Jägern bewahrt und durch die Zeit getragen wird. Wie viel man wohl auf einer Wanderung mit ihr über über Heilpflanzen und die Bestimmung von Tierfährten lernen kann?
Marilisa zeigt Sonja einige interessante Möglichkeiten die Berge zu entdecken

Doch bei der Vielfalt an Angeboten wird Sonja plötzlich unruhig: "Wenn ich die Berge sehe, dann muss ich da einfach raufgehen, da hält mich nix", sagt sie und so plant sie ihr Vorhaben am nächsten Tag in die Tat umzusetzen. Sie möchte eine Wanderung für ihre künftiges Reiseangebot ausprobieren. Sonja ist es vor allem wichtig, alles selbst einmal gesehen zu haben, was sie in ihren Reiseangeboten anbieten wird. Wir fahren sie morgens mit dem Auto durch das Val Vedesana bis nach Stua, und obwohl wir kaum zwanzig Minuten unterwegs waren, bis die befahrbare Straße endet, kann man förmlich spüren, wie hier die Naturgewalten ihren Raum einnehmen und die Zivilisation an Bedeutung verliert. Wir überlassen Sonja ihren Wanderschuhen und fahren selbst nach Rizzios, das hier ganz in der Nähe liegt. Rizzios gehört zur Gemeinde von Calalzo und ist noch im ursprünglichen Stil aus Holzhäusern aufgebaut.
Rizzios mit seinen alten Holzhäusern

In Rizzios hat sich eine Zeit lang die Partisanin Giovanna Zangrandi versteckt und wurde von der Bevölkerung unterstützt. Giovana erzählt ihre damaligen Erlebnisse in dem Roman "I giorni Veri", der zum erstenm Mal 1963 veröffentlicht wurde. Leider ist dieser Roman bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen.
Renate kann den Pflaumen in Nachbars Garten nicht wiederstehen

Es ist fünf Uhr nachmittags und wir fahren wieder nach Stua, um Sonja abzuholen. Sie scheint müde aber glücklich zu sein. Auf ihrer insgesamt fünfeinhalb stündigen Wanderung ist sie erst von La Stua zur Berghütte Chiggiato gewandert und hat dabei schon einmal 700 Höhenmeter überwunden.
Müde und glücklich, Sonja nach ihrer Wanderung

Erst geht es für Sonja durch enge Bergschluchten bis zur Baumgrenze, bevor sich ihr das gesamte Panorama auf den Antelao und die umliegenden Gebirgszüge zeigt. Das Gefühl der Freiheit stellt sich ein und auch etwas Hunger. Sie erreicht die Berghütte Chiggiato etwa gegen halb zwölf, sie ist die erste Wanderin an diesem Tag und Omar, der die Hütte mit seiner Familie, betreibt serviert ihr eine Suppe.
Im Rifugio Chiggiato wartet eine leckere Suppe

Die beiden kommen ins Gespräch. Omar erzählt, dass die Hütte von Juni bis Oktober geöffnet sei und ganzjährig an den Wochenenden. Im Winter kommen Skifahrer und Schneeschuhwanderer vorbei, um sich aufzuwärmen. Als Tourismusprofis unterhalten sich die beiden übers Geschäft. Omar sagt, dass die meisten Gäste bei ihm auf der Hütte nur einen Kaffee oder ein Getränk bestellen und dass er darum Schwierigkeiten habe, dem Alpenverein die jährliche Pacht zu bezahlen. Das liege vor allem daran, dass die meisten Gäste im Cadore mit Voll- oder Halbpension unterwegs seien und so einfach keinen Bedarf hätten, bei ihm das Essen zu bestellen. Es kommen wenige Gäste aus Deutschland oder Österreich und kaum Italiener, die das Wandern wohl noch nicht im großen Stil entdeckt hätten. Auch hier wird wieder einmal deutlich, dass Toursimus eine sehr komplexe Angelegenheit ist, wenn es darum geht Dienstleistungen anzubieten und vor allen Dingen dafür bezahlt zu werden.
Nach einer guten Pause geht es gute zwei Stunden weiter zum Rifugio Baion auf 1828 Höhenmeter, unterwegs wird Sonja immer wieder von atemberaubenden Ausblicken überwältigt. Dabei ist Sonja meistens vollkommen alleine, nur wenige Wanderer kreuzen ihren Weg. Sonja ist auf jeden Fall zufrieden mit ihrer Wanderung und denkt schon darüber nach, wie sie diesen Weg in ihre spannenden Wanderreisen einbinden kann. Von Stua aus fahren wir ins Hotel Dolomie, in Pieve di Cadore, dass Sonja für ihre Gäste ausgesucht hat. Sonja möchte sich auch hier überzeugen, ob das Hotel ihren Qualitätsansprüchen gerecht wird.
Giovanni, der Hotlemanager vom Dolomie begüßt Sonja

Das Haus stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde ursprünglich von Nonnen bewohnt. In den letzen Jahren stand es leer bis Giovanni vor einem Jahr die Initiative ergriffen hat, das Gebäude in ein Hotel umzuwandeln. Giovanni ist der perfekte Gastgeber und Sonja ist entzückt.
Doch bis Sonja ihre Reiseangebot fertig hat, gibt es noch einiges zu tun. So werden Sonjas Reisende künftig in der Pausa bei Frederica und Nicola essen, und wir fahren nach Pozzale überhalb von Pieve di Cadore.
Frederica und Nicola auf ihrer sonnigen Terrasse, natürlich mit Bergpanorama

Frederica und Nicola haben sich vor ein paar Jahren dazu entschlossen, dieses Restaurant zu eröffnen, das Besondere: Das Fleisch kommt von den Kühen, Schweinen und Ziegen, die sie selbt auf ihren Weiden großziehen.
Das liebe, glückliche Vieh

Neben der Fleischproduktion haben sie auch noch eine eigene Käserei - Frischer kann man also kaum das Essen auf den Tisch bekommen.
Die eigene Käserei

Das wirklich Besondere bei den beiden ist aber ihre unglaubliche Gastlichkeit - Kaum zu glauben bei der vielen Arbeit, die bei einem solchen Betrieb jeden Tag anfällt.
Wir müssen weiter zur Tappa in Valle di Cadore,- Sonja möchte noch unbedingt den Koch Pierangelo kennen lernen, der ihren Reisenden das Kochen der lokalen Spezialitäten lehrt.
Sonja und der Koch Pierangelo

Vier Tage nähern sich ihrem Ende, bei Sonja merke ich, wie sie sich immer mehr und mehr in das Cadore mit seinen besonderen Menschen verliebt. "Ich möchte auch einmal im Cadore Urlaub machen", gesteht sie mir am Ende unserer Reise. Das Vertrauen, das durch die vielen positiven Begegnungen mehr und mehr wächst, ist gleichzeitig die Grundvoraussetzung, wenn man so ein Reiseprodukt entwickelt, wie es Sonja tut. Ich bin mir sicher, ihre künftigen Gäste werden hier eine unvergessliche Reise erleben. Gleichzeitig habe ich in den letzten Tagen die Mühen gesehen, die hinter einer solchen Reise stehen können und die mir sonst gar nicht so im Blick stehen.


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